Viele Eltern fragen sich, ob ihr Kind nur dann besser schlafen kann, wenn es abgestillt wird. In Ratgebern und auf Spielplätzen wird dieser Zusammenhang immer noch häufig hergestellt. Doch ist das wirklich so? Ich möchte mit diesem weitverbreiteten Mythos aufräumen und erklären, warum für einen erholsamen Kinderschlaf nicht zwingend abgestillt werden muss.
Der Mythos: Stillen führt zu häufigem nächtlichem Aufwachen
Ein Argument, das oft genannt wird, ist, dass gestillte Kinder häufiger aufwachen, weil sie sich an das nächtliche Stillen gewöhnen. Das Schlafverhalten eines Babys oder Kleinkindes ist jedoch viel komplexer. Babys haben von Natur aus kürzere Schlafzyklen als Erwachsene und wachen aus verschiedenen Gründen auf – Hunger ist nur einer davon.Warum das Abstillen nicht automatisch besseren Schlaf nach sich zieht
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- Schlafentwicklung ist unabhängig vom Stillen Die Schlafentwicklung eines Kindes durchläuft verschiedene Phasen. Auch abgestillte Kinder haben Schlafregressionen oder wachen nachts auf. Das liegt nicht am Stillen, sondern hauptsächlich an neurologischen Entwicklungen. Andere Entwicklungsthemen wie bspw. das Zahnen können hier selbstverständlich auch eine Rolle spielen.
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- Nächtliches Stillen kann beruhigend wirken Muttermilch enthält schlaffördernde Hormone wie Tryptophan, die dem Baby helfen, wieder in den Schlaf zu finden. Abstillen kann sogar dazu führen, dass das Baby andere Wege finden muss, um sich zu beruhigen, was zunächst zu mehr Schlafunterbrechungen führen kann.
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- Kinder haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse Jedes Kind ist einzigartig. Manche schlafen durch, während andere häufiger aufwachen – unabhängig davon, ob sie gestillt werden oder nicht. Eltern sollten sich nicht unter Druck setzen (lassen), wenn ihr Kind noch nicht durchschläft.
Was wirklich hilft, den Kinderschlaf zu verbessern
Statt auf Abstillen als Lösung zu setzen, können folgende Maßnahmen den Schlaf des Kindes fördern:-
- Feste Einschlafrituale: Ein regelmäßiger Ablauf vor dem Schlafengehen signalisiert dem Kind, dass die Nacht beginnt.
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- Angemessene Schlafumgebung: Ein ruhiger, abgedunkelter Raum ohne Ablenkungen kann die Schlafqualität verbessern.
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- Entwicklungsgerechte Erwartungen: Babys und Kleinkinder schlafen selten acht Stunden am Stück. Es ist normal, dass sie nachts aufwachen.
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- Alternative Beruhigungsstrategien: Wer das nächtliche Stillen reduzieren möchte, und sicher ist dass das Kind kalorisch bestens versorgt ist, kann versuchen es durch sanftes Streicheln oder Summen zu beruhigen.